01. März 2016, 20:00

In Memoriam Leo Hepner: WuWei Trio

Das Konzert muss leider verschoben werden. Einen neuen Termin werden wir baldmöglichst bekannt geben.

Martin Stegner, Matthew McDonald und Wu Wei verbinden unterschiedliche Musiktraditionen zu neuen Klängen

wu-weiOft erscheinen Dinge sehr weit voneinander entfernt – und doch lassen sie sich gut mit einander kombinieren, wie das außergewöhnliche Trio, bestehend aus den zwei Mitgliedern der Berliner Philharmoniker Martin Stegner und Matthew McDonald und dem chinesischen Musiker Wu Wei beweist. Schon die Besetzung ist außergewöhnlich, da sich hier Viola und Kontrabass aus der westlichen Orchestermusik mit der chinesischen Mundorgel Sheng zusammenfinden. Für die gemeinsame Arbeit schöpfen die drei Musiker aus der Erfahrung, die sie als Einzelkünstler abseits der klassischen Musik bereits gemacht haben.

Das Konzert am 1. März 2016 im Maison de France wird dem Gedenken an Leo Hepner gewidmet sein. Der Londoner Amateurbratschist und Unternehmer mit Herz für neue Quartettmusik rief 2006, gemeinsam mit seiner Frau Regina Hepner-Neupert, am Hindemith-Musikzentrum im schweizerischen Blonay eine Sommerakademie ins Leben, wo sich der internationale Komponistennachwuchs mit den Feinheiten des StreichquartettschaffenLeo Hepner ©Gregor Zielke_kleins vertraut machen sollte. Das Arditti Quartett, ebenso Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm und Brian Ferneyhough als Kompositionslehrer garantierten Qualität. In diesen im Zweijahresabstand stattfindenden Kursen, die 2012 ins rheinland-pfälzische Edenkolben verlegt wurden, haben junge Komponisten aus aller Welt entscheidende Anregungen erhalten.

Der in Leipzig geborene Leo Hepner, der mit seinen Eltern in letzter Minute aus Nazideutschland fliehen konnte, war nach einem Chemiestudium zunächst als Ingenieur in Israel tätig und gründete später in London seine Beratungsfirma für Biotechnologie. Seine Hepner Foundation unterstützte Projekte im Bereich der musikalischen Forschung und Erziehung in England. Als ein engagierter Verfechter eines weltoffenen Judentums wurde er 2012 mit dem Israel-Jacobson-Preis der Union Progressiver Juden in Deutschland geehrt. Er starb im November 2015 in London im Alter von 85 Jahren.

Martin Stegner probierte sich schon als Jugendlicher neben der klassischen Musik in anderen Musikrichtungen aus, tourte mit deutschen Zigeunermusikern durch Europa, spielte in diversen Formationen (u. a. mit Nils Landgren, Herbie Mann, Diane Reeves und Wynton Marsalis) auf namhaften Jazzfestivals, gründete 1999 die Berlin Philharmonic Jazz Group sowie 2008 das Ensemble BOLERO BERLIN, welches sich der Südamerikanischen Musik widmet, und kombiniert seit 2011 mit der Berliner Band Cyminology persische Lyrik mit kammermusikalischem Jazz. Dabei ist er eigentlich Bratschist bei den Berliner Philharmonikern, wenn er nicht gerade Improvisiert, gilt seine Liebe dem Liedschaffen Robert Schumanns, wovon mehrere hochgelobte Cds zeugen.

Auch für den Ersten Kontrabassisten der Berliner Philharmoniker Matthew McDonald war schon am Anfang seiner musikalischen Karriere als Instrumentalist immer die Jazz- und Rockmusik ein wichtiger Teil seines Musizierens. Die Flexibilität zwischen den Musikstilen zu wechseln kommt dem Australier nicht nur im Orchester zugute: „Die Kontrabassgruppe muss ein unglaublich flexibler ›Motor‹ sein.“ Seine Offenheit gegenüber neuen Klängen konnte der Kontrabassist mit Gastprofessuren an der Royal Academy of Music London, der Essener Folkwang Universität und HfM „Hanns Eisler“ Berlin zudem u. a. als Solist des Ensemble Modern (2003-2006) sowie als Kammermusiker auf internationalen Kammermusikfestivals wie dem Plush Chamber Music Festival im englischen Dorset, in Zagreb sowie in Winchester mit musikalischen Partnern wie Imogen Cooper, Radovan Vlatkovic, Mark Padmore und dem Kuss Quartett ausspielen.

Der chinesische Sheng-Virtuose Wu Wei ist ein erfahrener Pendler zwischen den Kulturen, seit er 1995 über den DAAD ein Stipendium an der HfM „Hanns Eisler“ Berlin erhielt. Seine Neugier gegenüber neuen Kompositionsmethoden und Spieltechniken für die 4000 Jahre alte Sheng eröffneten dem ehemaligen Solisten des Shanghai Chinese Orchestra abseits der traditionellen chinesischen Musik zahlreiche Auftritte und Einsatzmöglichkeiten im „westlichen“ Konzertleben. Dafür wird der Wahl-Berliner von Komponisten wie Publikum als Avantgarde-Künstler geschätzt, der unablässig das Repertoire für sein Instrument erweitert. Neben eigenen Kompositionen brachte er mehr als 280 Werke für Sheng u. a. von John Cage, Unsuk Chin, Toshio Hosokawa und Jörg Widmann zur Uraufführung. Als Solist war er bei namhaften Festivals weltweit zu Gast und wurde u. a. von den Berliner Philharmonikern (Kent Nagano), dem LA Philharmonic (Gustavo Dudamel), den Symphonieorchestern von Radio France (Myung-Whu Chung) und der BBC (Ilan Volkov), dem Ensemble intercontemporain und dem Ensemble Modern begleitet.

Nun wagen die Musiker als Trio das Experiment, Werke der europäischen Kunstmusik mit den fernöstlichen Klängen der chinesischen Mundorgel zu kombinieren und eröffnen mit ihrer Überschreitung der Genregrenzen neue Hörwelten. Dafür haben die Musiker Werke ausgewählt, die die westlichen Orchesterinstrumente und die für europäische Ohren ungewöhnlichen Klänge der chinesischen Sheng miteinander verschmelzen lassen. Ob Alte Musik wie Monteverdi-Arien, Bachs Triosonaten und Vivaldis Folia, ein spätromantisches Lied von Gabriel Fauré oder eigene freie Improvisationen wie x menesis: Die Überwindung des Schubladendenkens auf allen Ebenen und der Fokus auf die Freude am gemeinsamen Musizieren und Experimentieren zeichnen diese drei Musiker aus und werden hörbar.

Eintritt 15,- Euro.
Karten erhalten Sie an der Abendkasse in der Maison de France (4. Stock, Salle Boris Vian).
Die Karten können per Email an veranstaltung(at)kd211.de oder per Telefon unter 030-414 781 744 reserviert werden.